Warum Phil Morris unsere Gesundheit am Herzen liegt

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Wenn mich also tausend Plakate in der Berliner U- und S-Bahn darüber informieren, dass ich mit geschmuggelten Kippen den Terrorismus unterstütze, Rattenkot rauche und einem Mafiaboss ein neues Haus baue, ist das wohl mehr als eine Aufklärungskampagne.

Selten war eine Kampagne so omnipräsent wie diese, die alle Berliner Bürger vor der “Schmuggelkippe” warnt. Wohl auch zu recht, denn ich glaube auch, dass Kriminelle nicht die beste Qualitätskontrolle haben. Omnipräsent allerdings wohl nur in Berlin und im Ruhrgebiet, wenn man den Berichten Glauben schenken darf.

Also wenn schon Rauchen, dann lieber bei denen, die ihr Produkt kontrollieren müssen und die auch etwas zu verlieren haben. Soweit klar.

Aber:

Es ist schon ziemlich fishy, diese Kampagne zu sehen, die sich so um mein Wohl und die Sicherheit unserer Gesellschaft sorgt. Es sind schon ein paar Wochen vergangen, in denen mich die Plakate auf meinen Wegen begleitet haben, irgendwann kennt man alle und nimmt sie auch nicht mehr bewusst wahr, Werbung eben.

So wie mir geht es wohl den meisten, werbeblind blendet man die Anzeigen nach dem ersten Bemerken aus und das Plakat wirkt nur noch wie ein kurzer Reiz, der einen an den gewünschten Themenkomplex erinnert.

Und so bin ich auch erst nach Tagen oder gar Wochen und eben auch nur, weil dieser Themenkomplex sich ein wenig mit dem Dampfen überschneidet mal auf die Idee gekommen, mir anzusehen, wer da eigentlich wirbt…

PM

Philip Morris, “Forum Vernetzte Sicherheit”, Bundesverband der Lotto-Toto-Verkaufsstellen in Deutschland e.V. und die Interessengemeinschaft Tabakwirtschaft e.V.

Beim groben Losgooglen wird man da schon richtig paranoid, wer sich da mit so alles vernetzt. Die Lottofee steckt mit den Zigarettenherstellern und scheinbar ein paar knallharten, privaten Sicherheitsdiensten, die für uns auch gegen den Terror kämpfen, unter einer Decke und alle fühlen sich bemüßigt, uns vor den super krass gepanschten und gefährlichen Kippen zu den Qualitätskippen zu bringen, die jetzt auch nicht ganz ungefährlich sind.

 

Reine Spekulation: Für mich sieht es so aus, als ob sich Politiker und Lobbyisten bei einem ihrer berühmt-berüchtigten Speeddates gesagt hätten, da müssen wir etwas machen!

Wir als Regierung können nicht solch eine Kampagne starten, aber vielleicht könntet ihr ja mit Unterstützung von uns eine Aufklärungskampagne ins Leben rufen. Ist ja auch Werbung für euch. Denn es ist nicht nur noch viel gefährlicher als normale Tabakzigaretten (q.e.d.), sondern uns gehen auch jede Menge Steuergelder dadurch flöten. Dann doch lieber “die gesundheitsfördernden und ungeschmuggelten Zigaretten”.

Berlin ist eine der Drehscheiben des Tabakschmuggels. Kaum eine U-Bahnstation, vor der nicht schwarze Kippen feilgeboten werden.

 

Damit wir uns richtig verstehen: Niemand möchte Autoreifen, geschredderte CDs oder Mäusefell rauchen, doch sind die legalen Zigaretten weit davon entfernt, nur ein natürliches Produkt zu sein. Hiermit wird suggeriert, dass die normal versteuerten Zigaretten unschädlich oder gar gesund seien. Es wird so getan, als ob man sich um die Gesundheit der Konsumenten sorgen würde, dabei sieht jedes Kind, dass es auch hier um das liebe Geld geht. Und das nicht zu knapp. Schätzungen des Deutschen Zigarettenverbands zufolge liegt der Anteil, der nicht in Deutschland versteuerten Zigaretten bei 20 % – 50 %.

“Der Steuerausfall des Staates liegt angeblich bei einer Milliarde Euro im Jahr”, schätzt die WAZ in einem Artikel vor zwei Wochen.

 

“Sicher rauch ich für Terrorismus/Terrorcamps”

Mit diesen Schlagworten kann man in diesen Krisenzeiten sicher punkten, auch wenn gesicherte Informationen dazu fehlen, wer hinter den Tabakschmugglern steckt und wer wie wen oder was finanziert.

Solch plakative Aussagen finden eben schnell viele Anhänger.

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Wenn man sich einmal die Initiatoren ansieht, sieht man neben Philipp Morris, den Bundesverband der Lotto-Toto Verkaufsstellen in Deutschland, die Interessengemeinschaft Tabakwirtschaft und das Forum Vernetzte Sicherheit. Ein eingetragener Verein, das hilft auch bei Spenden. Als Unterstützer sind auch dort Philipp Morris, die Bundeswehr, Skabe Ake und fischerAppelt genannt. Höchstwahrscheinlich die für die Kampagne verantwortlich zeichnende Agentur, damit der Unterstützerbereich nicht so leer aussieht. Ein paar Unternehmensberater und Anwälte als Gründer – fertig!

Dass die Plakate denjenigen von Stefan Didaks E-Zigarettenkampagne “Not blowing smoke” – eine Aufklärungskampagne gegen die Regulierungswut des Staates Kalifornien – sehr ähnlich sehen, ist höchstwahrscheinlich tatsächlich nur Zufall.

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Gelb und Schwarz sind ja schon seit Biene Maja und Guido Westerwelle ein Erfolgsgarant Aber ernsthaft, als Tabakindustrie in dieselbe Kerbe zu schlagen, wie die E-Zigarettenindustrie ist jetzt doch ein wenig geschmacklos, oder?

Es gibt guten Schmuggel und schlechten Schmuggel

Schmuggel schadet der Wirtschaft, weil ein ungleicher Wettbewerb stattfindet. die einen müssen sich an Qualitätskontrollen und teure Löhne halten und konkurrieren dann später mit Produkten, bei denen es nur darum geht, möglichst billig zu sein, das ist nicht fair! Hinzu kommt, dass keine Steuern entrichtet werden, was gerade bei importierten Produkten einen nicht unerheblichen Teil des Endpreises ausmacht, gerade bei Tabak.

Von daher ist es natürlich auch verständlich, dass Phil Morris sich dagegen wehren will.

Nur wenn es um Schmuggel geht, halten einige eben genau die Tabakkonzerne für einen Teil des Problems:

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Klingt im ersten Moment ein wenig widersinnig, oder?

Wie ein alter Bericht aus dem Handelsblatt 2004 erklärt, ist das aber durchaus möglich:

Die EU warf den Konzernen vor, den Schmuggel beispielsweise durch eine weit über dem tatsächlichen Verbrauch liegende Belieferung der Märkte in Osteuropa zu fördern.

Mit dieser und ähnlichen Taktiken kann man prima Steuern sparen, auf Märkten Fuß fassen, die das eigene Produkt gar nicht haben sollen und man unterstützt so ganz nebenbei eben genau die Kriminellen, vor denen uns jetzt die tollen Plakate warnen. Okay, der Bericht ist nun 11 Jahre alt, und schon damals hat Philip Morris darauf bestanden, dass die Zahlung in der Höhe von läppischen 1 Mrd € kein Schuldeingeständnis ist. Die hätten das natürlich auch so bezahlt, einfach um der EU etwas Gutes zu tun.

Das Plakat der WHO stammt allerdings aus diesem Jahr, also scheint das Thema doch durchaus noch präsent zu sein. Der Zigarettenschmuggel war nämlich das eigentliche Thema des Nichtrauchertages 2015, nur das DKFZ fand die E-Zigarette noch schlimmer und hat sein eigenes Süppchen gekocht.

Beide Themen haben eines gemeinsam. Es geht um Steuern und Geld. Schmuggel schadet dem Staatshaushalt, E-Zigaretten schaden dem Staatshaushalt. Vielleicht findet sich im nächsten Jahr ein Thema, das vor allem den Menschen schadet, nachweislich krebserregende Substanzen oder so…

 

TT & MM

 


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